Trotzdem ist sie bei vielen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) falsch kalkuliert oder unzureichend ausgestaltet.
Nicht der Schaden selbst ist dabei das größte Risiko – sondern die Zeit danach.
Wer die Dauer, Höhe und Struktur einer Betriebsunterbrechung unterschätzt, steht schnell vor existenziellen Problemen.
Besonders kritisch: Viele Unternehmen glauben, ausreichend abgesichert zu sein,
weil eine Betriebsunterbrechung „irgendwo“ in der Police erwähnt wird.
In der Praxis greifen diese Deckungen jedoch oft zu kurz.
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Warum die Betriebsunterbrechung so oft falsch eingeschätzt wird
Viele Unternehmer:innen kalkulieren die Betriebsunterbrechung rein technisch:
„Wenn ein Schaden passiert, reparieren wir – dann läuft alles wieder.“
Die Realität sieht anders aus.
Zwischen Schadenereignis und vollständiger Wiederaufnahme liegen oft Wochen oder Monate.
In dieser Zeit laufen Fixkosten weiter:
- Löhne und Gehälter
- Miete, Leasing, Kredite
- Energie, IT, Versicherungen
- Vertragsstrafen und Kundenverlust
Die drei größten Kalkulationsfehler bei der Betriebsunterbrechung
| Fehler | Warum gefährlich? | Folge |
|---|---|---|
| Zu kurze Haftzeit | Wiederanlauf dauert länger als gedacht | Leistungen enden, bevor der Betrieb wieder Umsatz erzielt |
| Falsche Umsatzbasis | Saisonale Spitzen nicht berücksichtigt | Unterdeckung genau in der wichtigsten Phase |
| Fixkosten unterschätzt | Nur Gewinn, nicht Kosten abgesichert | Liquiditätsengpass trotz Versicherung |
Eine Betriebsunterbrechung ist kein „Reparaturschaden“, sondern ein betriebswirtschaftliches Risiko.
Die Police muss den Zeitraum bis zur vollständigen Markt- und Kundenrückkehr abdecken.
Warum die Haftzeit der kritische Faktor ist
Die Haftzeit bestimmt, wie lange der Versicherer Ertragsausfall und fortlaufende Kosten ersetzt.
Viele Verträge arbeiten mit 6 oder 12 Monaten – das reicht in der Praxis oft nicht.
Typische Zeitfresser nach einem Schaden:
- Gutachter- und Regulierungsphase
- Materialbeschaffung und Lieferengpässe
- Genehmigungen und Abnahmen
- Wiederaufbau von Kundenbeziehungen
Beispiel aus der Praxis
Ein Handwerksbetrieb erleidet einen Brandschaden in der Werkstatt.
Die Reparatur dauert vier Monate – die volle Auslastung wird jedoch erst nach neun Monaten erreicht.
Die Haftzeit beträgt sechs Monate.
Ergebnis: Drei Monate Ertragsausfall bleiben unversichert.
Die Versicherung hat gezahlt – aber zu kurz.
Welche Deckungen Unternehmen zusätzlich prüfen sollten
Eine moderne Absicherung gegen Betriebsunterbrechung besteht meist aus mehreren Bausteinen:
- Betriebsunterbrechungsversicherung (klassisch, an Sachschaden gekoppelt)
- Mehrkostenversicherung (z. B. Ausweichstandorte, Fremdfertigung)
- Maschinen- & Elektronikversicherung bei technikabhängigen Betrieben
- Lieferketten- oder Rückwirkungsschäden bei Abhängigkeit von Zulieferern
Für welche Unternehmen das Risiko besonders hoch ist
- Handwerksbetriebe mit Einzelstandort
- Produktions- und Fertigungsunternehmen
- Gastronomie und Hotellerie
- Unternehmen mit hohem Fixkostenanteil
- Betriebe ohne Ausweich- oder Notfallkonzept
Je abhängiger ein Betrieb von Räumen, Maschinen oder Personal ist,
desto wichtiger ist eine realistisch kalkulierte Betriebsunterbrechung.
Was Unternehmen jetzt konkret tun sollten
- Haftzeit realistisch prüfen (oft 18–24 Monate sinnvoll)
- Fixkosten vollständig erfassen
- Saisonale Umsätze berücksichtigen
- Zusatzbausteine prüfen
- Bestehende Verträge nicht nur nach Beitrag, sondern nach Leistung bewerten
Fazit: Die größte Gefahr ist nicht der Schaden – sondern die Zeit danach
Eine falsch kalkulierte Betriebsunterbrechung ist eine der teuersten Versicherungslücken im Gewerbebereich.
Unternehmen, die ihre Risiken realistisch bewerten und ihre Policen anpassen,
sichern nicht nur ihren Betrieb – sondern ihre Existenz.
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