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Ratgeber

Die Betriebsunterbrechungsversicherung entscheidet im Ernstfall über Liquidität oder Insolvenz

14. Januar 2026Redaktion

Trotzdem ist sie bei vielen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) falsch kalkuliert oder unzureichend ausgestaltet.
Nicht der Schaden selbst ist dabei das größte Risiko – sondern die Zeit danach.
Wer die Dauer, Höhe und Struktur einer Betriebsunterbrechung unterschätzt, steht schnell vor existenziellen Problemen.

Besonders kritisch: Viele Unternehmen glauben, ausreichend abgesichert zu sein,
weil eine Betriebsunterbrechung „irgendwo“ in der Police erwähnt wird.
In der Praxis greifen diese Deckungen jedoch oft zu kurz.

Warum die Betriebsunterbrechung so oft falsch eingeschätzt wird

Viele Unternehmer:innen kalkulieren die Betriebsunterbrechung rein technisch:
„Wenn ein Schaden passiert, reparieren wir – dann läuft alles wieder.“
Die Realität sieht anders aus.

Zwischen Schadenereignis und vollständiger Wiederaufnahme liegen oft Wochen oder Monate.
In dieser Zeit laufen Fixkosten weiter:

  • Löhne und Gehälter
  • Miete, Leasing, Kredite
  • Energie, IT, Versicherungen
  • Vertragsstrafen und Kundenverlust

Die drei größten Kalkulationsfehler bei der Betriebsunterbrechung

Fehler Warum gefährlich? Folge
Zu kurze Haft­zeit Wiederanlauf dauert länger als gedacht Leistungen enden, bevor der Betrieb wieder Umsatz erzielt
Falsche Umsatzbasis Saisonale Spitzen nicht berücksichtigt Unter­deckung genau in der wichtigsten Phase
Fixkosten unterschätzt Nur Gewinn, nicht Kosten abgesichert Liquiditätsengpass trotz Versicherung
Praxis-Hinweis:
Eine Betriebsunterbrechung ist kein „Reparaturschaden“, sondern ein betriebswirtschaftliches Risiko.
Die Police muss den Zeitraum bis zur vollständigen Markt- und Kundenrückkehr abdecken.
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Warum die Haftzeit der kritische Faktor ist

Die Haftzeit bestimmt, wie lange der Versicherer Ertragsausfall und fortlaufende Kosten ersetzt.
Viele Verträge arbeiten mit 6 oder 12 Monaten – das reicht in der Praxis oft nicht.

Typische Zeitfresser nach einem Schaden:

  • Gutachter- und Regulierungsphase
  • Materialbeschaffung und Lieferengpässe
  • Genehmigungen und Abnahmen
  • Wiederaufbau von Kundenbeziehungen

Beispiel aus der Praxis

Ein Handwerksbetrieb erleidet einen Brandschaden in der Werkstatt.
Die Reparatur dauert vier Monate – die volle Auslastung wird jedoch erst nach neun Monaten erreicht.
Die Haftzeit beträgt sechs Monate.

Ergebnis: Drei Monate Ertragsausfall bleiben unversichert.
Die Versicherung hat gezahlt – aber zu kurz.

Welche Deckungen Unternehmen zusätzlich prüfen sollten

Eine moderne Absicherung gegen Betriebsunterbrechung besteht meist aus mehreren Bausteinen:

  • Betriebsunterbrechungsversicherung (klassisch, an Sachschaden gekoppelt)
  • Mehrkostenversicherung (z. B. Ausweichstandorte, Fremdfertigung)
  • Maschinen- & Elektronikversicherung bei technikabhängigen Betrieben
  • Lieferketten- oder Rückwirkungsschäden bei Abhängigkeit von Zulieferern

Für welche Unternehmen das Risiko besonders hoch ist

  • Handwerksbetriebe mit Einzelstandort
  • Produktions- und Fertigungsunternehmen
  • Gastronomie und Hotellerie
  • Unternehmen mit hohem Fixkostenanteil
  • Betriebe ohne Ausweich- oder Notfallkonzept
Merksatz:
Je abhängiger ein Betrieb von Räumen, Maschinen oder Personal ist,
desto wichtiger ist eine realistisch kalkulierte Betriebsunterbrechung.

Was Unternehmen jetzt konkret tun sollten

  • Haftzeit realistisch prüfen (oft 18–24 Monate sinnvoll)
  • Fixkosten vollständig erfassen
  • Saisonale Umsätze berücksichtigen
  • Zusatzbausteine prüfen
  • Bestehende Verträge nicht nur nach Beitrag, sondern nach Leistung bewerten

Fazit: Die größte Gefahr ist nicht der Schaden – sondern die Zeit danach

Eine falsch kalkulierte Betriebsunterbrechung ist eine der teuersten Versicherungslücken im Gewerbebereich.
Unternehmen, die ihre Risiken realistisch bewerten und ihre Policen anpassen,
sichern nicht nur ihren Betrieb – sondern ihre Existenz.

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